Weihnachten , wie ich es in Erinnerung habe

 

Als ich noch ein Kind war, so etwa zwischen 5-10 Jahre alt, war für mich und meinen Bruder Paul Weihnachten etwas ganz besonderes. Unsere Mutter hatte uns auf dieses Fest schon früh eingestimmt, indem sie uns Geschichten erzählte oder vorlas und auch schon früh auf das Weihnachtsfest hinwies.

 

Diese Stimmung konnten wir überall in unserem Haus und Stall erkennen. Ihr müsst nämlich wissen, dass wir als Kinder auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen sind. In unserem Stall der kleinen Landwirtschaft hatten wir einige Kühe, Kälber, Schweine, Schafe und auch zwei Katzen strichen einem um die Beine. Im Stall war es im Winter angenehm warm, es roch nach Heu und Stroh und anderem Futter. Die Kühe strahlten durch ihr Wiederkäuen und ihren ruhigen Anblick, eine besondere Ruhe aus. Warteten sie auch schon aufs Christkind?

 

Draußen war es nicht so gemütlich. Frisch und kühl fühlten sich die kalten Herbstwinde an, bald setzte Frostwetter ein und häufig war um die Weihnachtszeit auch schon Schnee gefallen.

 

Anfang Dezember steigert sich mit dem Advent die Spannung.

 

Wir Kinder hatten unseren Wunschzettel geschrieben, es wurden Plätzchen gebacken und einige Advents- und Weihnachtslieder gesungen. Alles musste schön aufgeräumt sein, der Stall wurde besonders gut gesäubert und die große Diele wurde gefegt.

 

Am Nachmittag des Heiligen Abends war es denn so weit. Um 17:00 Uhr war der Heiligabendgottesdienst, die sogenannte Lichterkirche. Sie war für die ganze Familie. Es war an diesem Tag immer sehr voll und wir Kinder mussten oft wegen der großen Fülle bei den Eltern auf den Schoss sitzen. Neben dem Altar waren zwei große Weihnachtsbäume aufgestellt, die fast bis unter die Decke ragten. Sie waren festlich mit Strohsternen geschmückt und zur Beleuchtung waren für uns unzählige Wachskerzen angebracht. Es waren extra zwei Personen mit dem Anzünden der Kerzen beschäftigt. Bis alle Kerzen brannten, verging eine ganze Weile. Dadurch wurde das Warten nicht so langweilig. Der flackernde Baum verbreitete Ruhe für Kinder und Erwachsene. Die Weihnachtsgeschichte wurde von älteren Schülern mit Gedichten und Stellen aus der Bibel vorgetragen. Andere Kinder hatten in den Vorwochen Lieder eingeübt und diese wurden hier nun vom Schülerchor vorgetragen. Einige Weihnachtslieder wurden auch von den Besuchern gesungen. Am Schluss endete der Gottesdienst mit dem Lied „ O, du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“ Danach ging es durch die Kirchentür heraus in die kalte Weihnachtsluft. Die Glocken der Kirche klangen an diesem Tage auch besonders festlich für uns Kinder. Mir ist in Erinnerung, dass es häufiger zu Weihnachten geschneit hat. Mein Vater, der meistens zu Hause geblieben war, hatte die Tiere im Stall gefüttert. Wir gingen in die Küche, das Radio spielte im Hintergrund leise Weihnachtslieder und auch wir sangen noch einige uns bekannte Lieder. Ab 20 Uhr wurden von Radio oder Sender Norddeich die Sendung „Gruß an Bord gesendet. Familien grüßten ihre Fahrensleute, die rund um den Erdball ihren Dienst auf Schiffen taten und auch mit einem Schuss Heimweh an das heimatliche Weihnachtsfest im Kreise ihrer Familie feierten.

 

Und dann hieß es nach dem Abendessen: „ So Kinder, nun geht es in Bett, wir hoffen, dass der Weihnachtsmann uns morgen was gebracht hat.“

 

Wir gingen dann erwartungsvoll in unsere Betten. Paul und ich konnten nicht einschlafen. Die Erwartung auf das Weihnachtsfest war doch so groß. Das Schlafzimmer, das über dem Wohnzimmer lag, war etwas hellhörig. Wir Kinder glaubten ein Auf und Ab im Weihnachtszimmer zu hören. Der Weihnachtsmann oder seine Gehilfen waren wohl bei der Arbeit. Was es wohl für Geschenke gab. …? Und dann waren wir eingeschlafen.

 

Am anderen Morgen waren wir beiden Geschwister schon früh wach. Einer hatte den anderen geweckt. Ob wir wohl schon herunter gehen konnten, um zu schauen, ob das Christkind etwas gebracht hatte? Wir konnten die Spannung nicht aushalten und schlichen ins noch ungeheizte Wohnzimmer. Und tatsächlich: dort stand der frisch geschmückte Weihnachtsbaum auf dem Gabentisch. Auf ihm lagen die Geschenke.

 

Da ertönte von hinten eine freundliche Stimme unserer Eltern: „Ihr könnt es wohl nicht abwarten?“

 

Und nun war sie da, die Bescherung mit den Geschenken für uns Kinder. Es wurde nun noch kurz ein Weihnachtslied gesungen und nun wurden von uns die Geschenke ausgepackt und bald war eine richtige Unordnung im Zimmer. Spielsachen und Geschenkpapier lagen wild durcheinander.

 

Und was gab es zu Weihnachten? Waren die Wünsche des Wunschzettels erfüllt worden? Ein Trecker aus Metall zum Aufziehen, eine kleine Holzeisenbahn, ein Rodelschlitten und schließlich auch Kleidung wie Pullover oder Mütze. Diese letzteren Geschenke wurden von uns Kindern vielleicht nicht so genau geprüft.

 

Es wurde gespielt und ausprobiert, die voll gefüllten Weihnachtsteller wurden schon nach kurzer Zeit leerer.

 

…… Ja wenn man ein wenig überlegt, hat sich eigentlich gar nicht so viel geändert.

 

Oder doch.

 

Es gehörte damals schon immer dazu, nach der Bescherung in unseren Stall zu gehen und unseren Tieren auch ein gutes Weihnachtsfest zu wünschen. Sie bekamen von uns Kindern auch eine Handvoll frisches Heu, das sie dann gemütlich auffraßen. Und es ist auch mal vorgekommen, dass zu Weihnachten mal ein kleines Kälbchen geboren worden war.